Gegen Ende des vierten Lebensjahres erkennen Kinder den subjektiven Charakter eigener und fremder Bewußtseinsinhalte (Theory of Mind), und sie werden fähig, die Zeitdimension als Adreßspeicher einzusetzen und Handlungsanreize aus beliebigen Zellen dieses Speichers zu aktualisieren.
Im Zuge desselben Entwicklungsschrittes erkennen sie auch ihre Geschlechtszugehörigkeit als verbindlich. Wie eigene Vorstudien zeigen, bestehen zwischen den genannten Leistungen altersunabhängige Korrelationen.
Das Projekt soll diesen Zusammenhang in die sozio-emotionale Dimension hinein erweitern. Den Theorierahmen bildet die Erwartung, dass die genannten Zusammenhänge auf der Entwicklung einer bereichsübergreifenden Kompetenz beruhen, Erfahrungsinhalte simultan in verschiedene Bezugssysteme einzubetten.
Diese Fähigkeit beschränkt sich nicht auf den kognitiven Bereich, sondern zeigt auch Wirkungen auf das emotionale Erleben der eigenen Familiensituation. Kinder trennen, sobald sie über die genannten Fähigkeiten verfügen, die zuvor einheitlich erlebte Familienatmosphäre in eine väterliche und eine mütterliche Teilwelt, in der beide Eltern ihr Eigenleben führen und Ziele verfolgen, die nicht nur auf das Kind zentriert sind.
Diese Erkenntnis führt zu einer emotionalen Beunruhigung und macht eine Neuorientierung erforderlich, in der sich das Verhältnis zu den Eltern ändert. Diese Erklärung wird als Alternative zum Freudschen Postulat einer ödpialen Thematik diskutiert. |