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Warum schon wieder ein «Grundkurs»? Gibt es
nicht längst genügend Einführungsliteratur
in das Psychologiestudium? Stromlinienförmig aufbereitete,
heiter illustrierte, die modernen Möglichkeiten des
E-Learnings klug einbindende, Anfänger um keinen Preis überfordernde
Lehrtexte, aus denen man sich trefflich auf die Multiple-Choice-Prüftechnik
des Bologna-Zeitalters vorbereiten kann? Die Frage ist berechtigt.
Es ist üblich geworden, psychologische Lehrbücher
nach den Kriterien «theoriezentriert» und «phänomenorientiert» einzuteilen.
Der Trend geht eindeutig in die erstgenannte Richtung.
Das hängt mit der zunehmenden Verschulung des akademischen
Betriebes zusammen, angesichts derer wir uns gern einreden
würden, es handle sich auch bei unserem Fach um einen
Kanon abfragbarer Tatsachen und exakt formulierbarer Gesetze.
Weil das aber einfach nicht stimmt, zieht man sich gern
auf das Einzige zurück, wozu sich eindeutig richtige
oder falsche Aussagen formulieren lassen – nämlich,
welcher Autor was behauptet hat.
Daher die Beliebtheit «theoriezentrierter» Darstellungen.
Aber das kann nicht genügen. Wir kommen nicht umhin, «phänomenorientiert» vorzugehen,
und das heißt, uns auf die Sache selbst einzulassen.
Theorien sind – mehr oder minder nützliche – Wegweiser
zu diesem Ziel, sie sollen uns Sackgassen und Umwege vermeiden
helfen; aber für sich genommen stellen sie keinen Erkenntniswert
dar.
Was heißt also «Grundkurs»? Falsch wäre
sicher, sich darunter eine Art Psychology for dummies vorzustellen;
sie würde ihrem Namen wörtlicher gerecht, als es
dem Autor lieb sein könnte. Ein «Grundkurs» kann
aber auch das sein, was der Name eigentlich besagt: der Versuch,
ein Fundament zu legen. Ein Fundament muss auf Trägern
ruhen, die tief in die Materie hineingetrieben sind, damit
es sich als stabil genug erweist, um darauf später das
anwachsende Fachwissen aufbauen zu können. Ein solcher
Grundkurs ist kein Repetitorium; er soll Kompetenz vermitteln,
selbst mit den Problemen des Gegenstandsfeldes fertig zu
werden. Und an diesen herrscht bei uns kein Mangel.
Wer sich auf Psychologie einlässt, sollte wissen, dass
ihm ein anderes Abenteuer bevorsteht als bei einem Studium
der Botanik oder der Festkörperphysik. Unser Fach ist
keineswegs aus einem Guss. Forschungsinteressen und Praxisanforderungen
driften immer weiter auseinander; und die Grundlagenfächer
selbst unterscheiden sich in ihren Denkansätzen erheblich
und haben ihre je eigene Begriffswelt entwickelt, die oft
nicht mehr erkennen lässt, wenn im nächsten Hörsaal
in anderer Sprache von derselben Sache die Rede ist. Den
Studierenden bleibt selbst überlassen, das alles zu
einem zusammenhängenden Ganzen zu integrieren, womit
aber nicht nur Anfangssemester überfordert sind.
Der hier vorgelegte Grundkurs versucht, in dieser Situation
Hilfestellung zu leisten. Er beleuchtet die Entstehungsgeschichte
der repräsentativen Problemstränge, macht die im
Zuge der Spezialisierung längst unkenntlich gewordenen
Querverbindungen wieder transparent und reflektiert Leitideen,
die verstehen lassen, warum gewisse Fragen überhaupt
aufgeworfen, andere aber ausgeblendet werden und warum
dem je herrschenden Zeitgeist manche Theorien und Methoden
so viel akzeptabler erscheinen als andere. Bei all dem verliert
er nie das eigentliche Anliegen der Psychologie aus dem Auge – zu
verstehen, wie menschliches Erleben und Verhalten als Ganzes
funktioniert.
Das Buch verlangt keine fachspezifische Vorbildung, aber
es stellt Anforderungen an Interesse und Engagement. Es
richtet sich an Leser, die in das Gebiet der Psychologie
ernsthaft eindringen und sich mit seiner Problematik auseinandersetzen
wollen. Die wirklich substantiellen Themen werden nicht nur
an der Oberfläche gestreift, sondern kommen gründlich
zur Sprache, wenn auch in oft ungewohnter Verbindung, gegliedert
nicht nach dem üblichen Fächerkanon, sondern nach
ihrer Tiefenstruktur.
Üblicherweise künden einführende Lehrbücher
vom sogenannten «Mainstream». Eine ungeschriebene
Regel gebietet dabei, die anerkannten Autoritäten zu
referieren, aber nicht zu kritisieren. Anfangssemester sollen
erst einmal einen Wissensfundus erwerben, über den die
Majorität der Fachvertreter momentan nicht zu streiten übereingekommen
ist. Was aber, wenn der Mainstream selbst eine Besinnung
nötig hat? Käme es hier nicht darauf an, die Studierenden
möglichst früh zu selbstständigem Denken zu
ermutigen? Das geht dann freilich nicht ohne die Bereitschaft,
den mitgeteilten Lehrstoff auch kritisch zu hinterfragen.
Manche Entwicklungen in unserer Wissenschaft nimmt man mit
Sorge zur Kenntnis, und es ist kein Grund ersichtlich, warum
Studienanfänger das nicht wissen dürften. Unter
ihnen sind die Fachvertreter von morgen; sie sollten rechtzeitig
erkennen, dass noch manches der Verbesserung bedarf, und
dass es ihrer Generation aufgegeben ist, dabei mitzuwirken.
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