Über dieses
Buch
Nach verbreiteter Ansicht berichten Mythen von den Anfängen
des Kosmos und den Abenteuern vorgeschichtlicher Menschen.
Dagegen stellt und begründet dieses Buch die These, sie
seien der Nachhall der seelischen Entwicklung in Kindheit
und Jugend, deren wahre Datierung wir allerdings vergessen
haben. Mythen erwecken also im Hörer vage, aber überzeugungskräftige
Erinnerungen an wirklich Erlebtes, und das verleiht ihnen
bei Naturvölkern die Macht, Orientierungshilfe im Kraftfeld
menschlicher Antriebskonflikte zu leisten. Wo sie von Wissenschaft
und Aufklärung verdrängt wurden, nehmen robustere,
aggressivere Surrogate ihren Platz ein: politische Ideologien,
deren genuin mythische Struktur das Buch im Detail analysiert.
Das Buch ist der zweite Teil einer mit dem «Rätsel
Ödipus» grundgelegten psychologischen Anthropologie.
Sein auf interdisziplinären Recherchen und aktueller
eigener Forschung fußender Ansatz schlägt Brücken
zwischen scheinbar weit auseinander liegenden Themen. Es liest
sich, je nach Blickwinkel, als Beitrag zur strukturalistischen
Mythenforschung, zur Philosophie der Weltanschauungen und
zur Psychologie der emotionalen und sozialen Entwicklung.
Auseinandersetzungen geht es nicht aus dem Wege: Es stellt
psychoanalytische Dogmatik ebenso in Frage wie esoterischen
Scheintiefsinn, es zeigt Auswege aus fundamentalistischen
Denkzwängen und diagnostiziert die Pathologie des politischen
Extremismus.
Insgesamt spricht es alle an, die den Menschen auch und gerade
in den Abgründen seiner Irrationalität verstehen
möchten und sich dabei nicht mit unverbindlichen Antworten
zufrieden geben.
Vorwort Inhaltsverzeichnis
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