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Forschung: Von Spiegeln, Zeitreisen
und dem kleinen Unterschied
Ihre Forschungsvorhaben konnte Doris Bischof-Köhler
zunächst im Rahmen einer studentischen Projektgruppe,
später auch mit Unterstützung des Schweizerischen
Nationalfonds, verwirklichen. Ihr besonderes Interesse galt
der Frage, wie sich soziale Erkenntnisformen bei Kleinkindern
entwickeln. Aufgrund evolutionsbiologischer Überlegungen
postulierte sie, daß Kinder, sobald sie sich im zweiten
Lebensjahr selbst im Spiegel erkennen, auch in der Lage sein
sollten, empathisch zu reagieren. Diese Vorhersage ließ
sich mit unerwarteter Deutlichkeit empirisch belegen. Mit
diesem Thema promovierte Doris Bischof-Köhler 1988 an
der Universität
Konstanz. Für ihre Dissertation erhielt sie den Förderpreis
der «Stiftung für Wissenschaft und Gesellschaft
der Universität Konstanz».
Ein weiteres Forschungsprojekt betrifft die im vierten Lebensjahr
einsetzende Fähigkeit, über Bewußtseinsvorgänge
zu reflektieren, die in der Wissenschaft unter dem Stichwort
«Theory of Mind» abgehandelt wird. Doris Bischof-Köhlers
Forschungsgruppe konnte bei Vierjährigen den bisher nicht
bekannten Zusammenhang von Theory of Mind und Zeitverständnis
nachweisen. In der daraus resultierenden Fähigkeit, «auf
Zeitreise zu gehen» und nicht aktuelle Bedürfnisse
bei der Handlungsplanung zu berücksichtigen, sehen Doris
und Norbert Bischof einen entscheidenden Schritt, der Tiere
– einschließlich der Anthropoiden – vom
Menschen unterscheidet. Tatsächlich ließ sich zeigen,
daß Kinder, sobald sie über die genannten Fähigkeiten
verfügen, Motivkonflikte angemessener bewältigen
und Wünsche besser aufschieben können.
Die Ergebnisse beider Forschungsprojekte dokumentierte Doris
Bischof-Köhler in den Büchern «Spiegelbild
und Empathie» und «Kinder auf Zeitreise».
Ein drittes Forschungsgebiet, das Doris Bischof-Köhler
besonders beschäftigt, betrifft die Entstehung von Geschlechtsunterschieden.
Das Bedürfnis, sich mit diesem Thema zu befassen, ergab
sich einerseits aus der in der eigenen Biographie gründenden
Herausforderung, Beruf und Familie zu vereinigen und den sich
daraus ergebenden Karriereschwierigkeiten. Zum anderen reizte
es Doris Bischof-Köhler besonders, die biologische Perspektive
in die Behandlung dieser Fragestellung einzubringen, womit
sie sich u.a. heftigen Anwürfen von Biologiegegnern aussetzte.
Neben vielen Vorträgen zu geschlechtstypischen Unterschieden
vor allem im Wettbewerbsverhalten hält sie seit mehr
als zwei Jahrzehnten Vorlesungen zur Entwicklung von Geschlechtsunterschieden.
2002 erschien das Buch «Von Natur aus anders»
(3. erweiterte und überarbeitete Auflage
2006). |